PAUL SONDEREGGER

SCHAUSPIELER • SPRECHER • SPRECHTRAINER • REGISSEUR

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Inszenierung 
 DAME UND SPRINGER 

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Ein Saale-Unstrut-Krimi von Rainer Lewandowski

Regie
Paul Sonderegger
Ausstattung
Susanne Ruppert
Bühnenbau
Steffen Müller
Licht
Peter Milde
Ton
David Groß
Adelheid
Katja Preuß
Ludwig
Soheil Boroumand
Kehlbrand
Peter Schulze-Sandow
Uriah
Anna Elisabeth Vogelsang
Produktion
Theater Naumburg

 

URAUFFÜHRUNG am 17.05.2014 auf Schloss Neuenburg in Freyburg/Unstrut

www.theater-naumburg.de

Ein verzwickter Fall: Die schöne Adelheid ist mit Friedrich von Goseck verheiratet. Doch liebt sie heimlich Ludwig, den Grafen von Thüringen. Ein Unglück verändert die Lage: Als Friedrich aus der Badewanne steigt, um den „wildernden“ Ludwig zu vertreiben, wird er selbst ermordet. Ludwig kommt in Haft, kann sich aber mit einem sagenhaften Sprung in die Saale befreien. Glücklich vermählt, erbauen Ludwig und Adelheid die Neuenburg. So sagt die Legende. Doch ist mitnichten klar, ob sich die Geschichte vor fast 1000 Jahren so abgespielt hat. Offene Fragen gibt es viele: Wer war nun der Mörder Friedrichs? Kann es wirklich sein Nebenbuhler Ludwig gewesen sein? Welche Rolle spielte Adelheid, als ihr ungeliebter Gemahl Friedrich sich ein Bad in der Wanne genehmigte? Und: war Ludwig der Springer wirklich ein begnadeter Athlet, so dass er seinen Beinamen zu recht erhielt?

Diesen Fährten folgt ein Ermittlerteam, um Licht ins Dunkel der Ursprünge der Neuenburg zu bringen. Rainer Lewandowski schrieb das „historische Vergnügen“, wie er es nennt, eigens für das Theater Naumburg zum Weltkulturerbeantrag der Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut. Und er zeigt damit, wie aufregend Geschichte sein kann. Paul Sonderegger inszeniert das Freilichtspektakel als unterhaltsamen Krimi. Aufgeführt wird das Stück am Originalschauplatz der Handlung, der geschichtsträchtigen Neuenburg in Freyburg/Unstrut.

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Mitteldeutsche Zeitung, 19. Mai 2014
Rezension von Kai Agthe

"Adelheid, ach Adelheid!"

SCHLOSS NEUENBURG Das Theater Naumburg zeigt auf der Feste über Freyburg die historische Krimi-Komödie "Dame und Springer" als Uraufführung.

Freyburg/MZ - Nichts Genaues weiß man nicht. Nur so viel scheint gewiss: Friedrich der Springer (1042-1123), der das Geschlecht der Thüringer Landgrafen begründete, hat Pfalzgraf Friedrich von Goseck 1085 umbringen lassen und dessen Witwe Adelheid geehelicht. Geschah das Verbrechen aus politischem Kalkül oder aus Liebe - oder war es eine Mischung aus beidem? Und: wer war der Täter? Der Gärtner ist auszuschließen, weil wir uns in den adligen Kreisen des 11. Jahrhunderts bewegen.

In dem Krimi-Drama "Dame und Springer" wird mit durchweg humoristischen Mitteln versucht, Licht ins Dunkel der legendären Bluttat zu bringen. Zu sehen ist es als Open-Air-Spaß auf Schloss Neuenburg bei Freyburg. Das Boulevard-Stück vor mittelalterlichem Hintergrund schrieb Rainer Lewandowski für das Theater Naumburg.

Eine Herausforderung für alle vier Bühnenakteure, die insgesamt zwölf Rollen übernehmen und in diesen sprechen (hervorragend), singen (gut) und tanzen (naja). Die Neuenburg wurde als Spielort ausgewählt, weil sie, ebenso wie die Wartburg im Westen des einstigen Grafenreiches, eine Gründung von Ludwig dem Springer sein soll.

Die Handlung setzt 1081 ein: Adelheid von Stade (Katja Preuß) wird von ihrem Vater Lothar (Soheil Boroumand) eröffnet, dass er gedenkt, sie mit Friedrich III. von Goseck zu verheiraten. "Wie, ich soll in die sächsischen Sümpfe?", ruft Töchterlein entgeistert aus. Im Gegenteil, erwidert Lothar, blühende Landschaften erwarten sie im Osten, an Saale und Unstrut.

Die Welt ist eine Scheibe

Diese exotische Welt ist eine weiße Scheibe (Ausstattung: Susanne Ruppert), die sich dreht, über sechs Stufen und zwei Vertiefungen verfügt. Dem Weniger an Ausstattung - die Kettenhemden der Ritter etwa sind aus Isomatten gefertigt - halten die Akteure um Regisseur Paul Sonderegger ein Mehr an Spielfreude entgegen.

Ulf Kehlbrand-Segeberg (Peter Schulze-Sandow) - die Nähe zum Royals-Fachmann Rolf Seelmann-Eggebrecht kommt nicht von ungefähr - ist ein gut vernetzter Hofberichterstatter, der es Dank rhetorischer Geschmeidigkeit versteht, dem Adel am Mikro allerlei Petitessen zu entlocken, die besser ungesagt blieben. So auch, dass Adelheid mit ihrem Gemahl alles andere als Liebe verbindet: Friedrich von Goseck (Anna Elisabeth Vogelsang) entpuppt sich als Langweiler, die Ehe als Desaster. Aber Ludwig (Soheil Boroumand), das ist ein Mann nach Adelheids Geschmack: "Ich bin für euch bestimmt", säuselt die weiße Dame zart. "Adelheid, ach Adelheid!", haucht Ludwig. Beide sind bereit, über Leichen zu gehen, um zueinander zu kommen. Die Leiche wird dann Graf Friedrich sein.

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Eine Mordsgeschichte: Adelheid (Katja Preuß) ist Ludwig (Soheil Boroumand) innig zugetan. Ob sie Mörder sind, wollen Kehlbrand (Peter Schulze-Sandow) und Haingott Uriah (Anna Elisabeth Vogelsang) ermitteln.

Als ruchbar wird, dass Adelheids Gatte von Unholden gemeuchelt wurde, nimmt Journalist Kehlbrand die Ermittlungen auf. Die Schiebermütze, die er als Kriminalist fortan trägt, erinnert, in Verbindung mit seiner knielangen Hose, an den Comic-Detektiv Nick Knatterton. Kehlbrand zur Seite steht als Assistent jener Haingott Uriah (Anna Elisabeth Vogelsang), dessen Abbild seit Jahrhunderten über die Neuenburg wacht.

Bevor Forensik und Kriminalistik bemüht werden, soll die historische Überlieferung befragt werden: Kehlbrand sucht zu diesem Zweck Carl Peter Lepsius (Soheil Boroumand) auf. Der war nicht nur der Vater des Ägyptologen Carl Richard Lepsius, sondern nach 1800 als Naumburger Landrat und Historiker ein Politiker und Gelehrter von Format. Dass Lepsius in der leicht zu imitierenden Diktion des im vergangenen Jahr verstorbenen Marcel Reich-Ranicki sprechn muss, sorgt im Publikum zwar für Heiterkeit, wird aber weder Lepsius noch MRR gerecht.

Da sich die Chroniken über den Mörder von Freiedrich ausschweigen, ist doch kriminalistische Detailarbeit notwendig: Ludwig und Adelheid müssen deshalb ihre Version des Geschehens in der Tatnacht, also ihr Alibi, präsentieren. Und so spielen beide - in des Wortes doppelter Bedeutung - ihre Unschuld. Mit dem Unterschied, dass Adelheid zwischendurch noch einen fetten Rap über die Rolle der Frau im Mittelalter hinlegt und aus Heinrich von Veldeckes "Eneas"-Dichtung rezitiert, die zu Teilen auf der Neuenburg entstand.

In Brecht'scher Manier treten die Akteure wiederholt aus ihren historischen Rollen heraus und verkörpern zeitgenössische Schauspieler. Wenn auf Ludwigs hartnäckiges Rufen hin kein Domestik erscheint und Adelheid vergeblich auf den von ihr gedungenen Gattemörder wartet, ist Gelegenheit, die unhaltbaren Zustände zu beklagen: "An einem größeren Theater hätte meine Intrige funktioniert", greint Adelheid. Soll heißen: es fehlt schlicht an Darstellern.

Köstliche Unterhaltung

Und an so einer Bühne wie der Naumburger ohnehin, die bekanntlich das kleinste deutsche Stadttheater ist. Ob Ludwigs und Adelheids Klage aber bis nach Magdeburg dringt, ist wenig wahrscheinlich. Das dürfte aber weniger an den dicken Mauern der fast 1000 Jahre alten Neuenburg liegen, sondern eher an der schalldicht isolierten Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt.

Graf Friedrichs Mörder kann am Ende - natürlich - nicht präsentiert werden. Bleibt der Täter auch unerkannt, verlässt man nach 90 Minuten dennoch mit dem angenehmen Gefühl die Burg, wirklich köstlich unterhalten worden zu sein!

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