PAUL SONDEREGGER

SCHAUSPIELER • SPRECHER • SPRECHTRAINER • REGISSEUR

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Inszenierung 
 EFFI BRIEST 
 Schauspiel nach Theodor Fontane

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Regie
Paul Sonderegger
Ausstattung
Silke Barzik
Video
Jürgen Salzmann
Bühnenbau
Steffen Müller
Licht
Peter Milde
Ton
David Groß
Effi Briest
Katja Preuss
Innstetten, Crampas
Holger Vandrich
Produktion
Theater Naumburg

 

PREMIERE am 12.04.2012 Theater Naumburg
www.theater-naumburg.de

Fontanes Roman-Klassiker erzählt die Geschichte einer Emanzipation. Effi Briest ist jung und lebens- lustig, aber gefangen in gesellschaftlichen Konventionen. Sie stolpert in die Ehe mit dem Karrieristen Instetten, den sie nicht liebt. Effi sucht die Freiheit und trifft sich heimlich mit Major Crampas. Als die Affäre auffliegt, rächt sich Instetten, indem er Crampas im Duell erschießt. Effi erkennt die moralische Verlogenheit und durchschaut den Zwang, unter dem alle stehen. Mit letzter Verzweiflung kämpft sie um ihr Menschenrecht auf eine eigene Familie.

In einer modernen Fassung für eine Schauspielerin und einen Schauspieler kommt Fontanes Roman von 1894 im Theater Naumburg auf die Bühne. Die Effi von heute ist genau wie damals mit inneren und äußeren Zwängen konfrontiert, die den Weg der unbeschwert naiven Jugendlichen zur erwachsenen Frau begleiten. Instetten und Crampas sind zwei Gesichter derselben Illusion: der des unerreichbaren Geliebten. Am Ende steht die Erkenntnis, dass Liebe nur zwischen sich selbst bewussten Individuen funktioniert.

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Naumburger Tageblatt, 28: März 2012
Vorbericht von Jana Kainz

Reifeprozess von "Effi Briest"

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Regisseur Paul Sonderegger ließ sich bei der Arbeit von Gymnasiasten über die Schulter schauen, denen der Ausschnitt aus der Inszenierung gut gefiel. (FOTO: MZ)

Es war eine Premiere weit vor der Generalprobe: Nicht wie üblich abgeschottet auf der Probebühne im Salztorhaus, sondern vor einem kleinen Publikum erarbeitete Regisseur Paul Sonderegger mit den Schauspielern Katja Preuß und Holger Vandrich eine Szene der Neuinszenierung von Theodor Fontanes "Effi Briest". Während der Probe erhielten die Schüler eine Vorstellung davon, welch langer Weg hinter den Theatermenschen liegt, bevor sich auf der Naumburger Bühne für eine Premiere der Vorhang hebt.

Doch ehe sich die Jugendlichen auf den Stühlen oder Sitzkissen niederlassen konnten, waren sie selbst gefordert. Im Kreis aufgestellt wurde wie ein Wolf gejault und wie ein erschreckter Hase gekreischt. Dann gab sich jeder selbst noch eine erquickende Gesichtsmassage und nachdem auch die Lippen nach Pferdemanier gelockert wurden, hatten sie die Aufwärmphase eines Schauspielers überstanden.

"Ihr müsst nicht die 300 Seiten lesen, wir bringen Effi Briest in anderthalb Stunden auf die Bühne und haben es auf das Wesentliche konzentriert, aber Fontanes Text ist eins zu eins übernommen", führte Sonderegger in das neue Zwei-Personen-Stück ein. Allerdings umfasse es 30 Szenen. "Damit wir nicht den Überblick verlieren, hat Holger einen Plan aufgestellt", erklärte er den bunt beschriebenen, an die Wand gehefteten Papierbogen. Mit einem Blick auf diesen stellte Sonderegger fest: "Er ist in Kessin angekommen" und meint eben jene Szene, die durchgespielt werden soll.

In dieser berichtet die verheiratete 17-jährige Effi ihrer Mutter in einem Brief von der neuen Wohnung. Den steten Briefwechsel ersetzt Sonderegger durch eine neue Form der Kommunikation. Es wird geskypt. "Wir sind ein modernes Theater", warf er ein und sprach von Projektionen, die Teil der Inszenierung werden. Und dann konnte es losgehen auf der Probebühne, die nur in groben Zügen und in abgespeckter Form dem Bühnenbild gleiche, das später im Theatersaal zu sehen sein wird, schickte Dramaturg Heiko Griesel noch vorneweg.

Nach einem Albtraum bittet Effi ihren Mann Instetten, aus dem Haus auszuziehen. Der Karrierist hat dafür wenig Verständnis. Vandrich spielt Instetten durchweg distanziert. "Sei freundlich zu deiner Frau, du domestizierst sie", gibt der Regisseur Hinweise. Noch einmal wird die Szene durchgespielt. Jetzt gibt Vandrich einen kurzzeitig sanften Instetten. Mit jeder weiteren Regieanweisung sehen die Schüler die Szene reifen. Anfangs scheinen sich die Akteure am Text festzubeißen. Doch nach und nach kommt Bewegung ins Spiel, geben sie den Charakteren durch Mimik und Gestik immer mehr ein Gesicht. Die Jugendlichen waren gefesselt. Sie wären, wenn es ihre Zeit erlaubt hätte, gern länger geblieben. Nach seinem Eindruck gefragt, meinte Paul Plober: Vandrichs Spiel "passt perfekt zur Rolle des kühlen Instetten, der Effi nicht als seine Frau sieht und die Ehe als Zweckbeziehung." Sonderegger war beeindruckt. Und er vernahm erstes Lob: "Mit den Videoprojektionen kommt das Briefeschreibens viel menschlicher rüber, da Effis Mimik und Gestik zu sehen sind", sagte Pascal Böttcher.

Gern hätten die Schüler Vandrich noch in der Rolle des Crampas, Effis Geliebten, gesehen. Doch er lehnt e ab, etwas muss ja für die Aufführung an Überraschung übrig bleiben. Und den Mistkerl spielen, sei ohnehin schwieriger, meinte Vandrich, der von den Schülerinnen wissen wollte, ob sie sich wie Effi einen Liebhaber zulegen würden. Ja, ist die Antwort, aber dem vermögenden Mistkerl würden sie dennoch nicht den Laufpass geben, sondern sein Reichtum genießen. Fazit der Theatercrew: "Effi Briest ist eben total aktuell."

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